Nur das sauberste Wasser soll in die Aach fliessen

18.08.2020

Der Abwasserverband Aachtal ergänzt die Kläranlage Moos um ein neues Reinigungsverfahren, weil der Bund die Anforderungen an die Wasserqualität erhöht hat. Nach einer Testphase soll die bestehende Sand-Filtration nun in eine Filtration mit Aktivkohle-Granulat umgebaut werden.

Sauberes Wasser ist nicht gleich sauberes Wasser – selbst wenn es frei ist von jeglichen Rückständen, die Mann und Frau jeden Tag die Toilette hinunterspülen. Denn von grösseren festen Bestandteilen wird das Abwasser – über 25'000 Kubikmeter pro Tag – bereits in der ersten Reinigungsstufe durch einen Rechen befreit. Es folgt die chemische Reinigung: In diesen Becken werden gröbere Stoffe abgesetzt und Phosphate durch die Zugabe von Eisensulfat gefällt, sodass sie Flocken bilden und sedimentieren. Nach der mechanischen und chemischen Reinigung folgt die sogenannte biologische Reinigung. Hierfür wird das Abwasser mit Mikroorganismen versetzt, denen es unter Sauerstoffzufuhr gelingt, weitere Verunreinigungen abzubauen.

Nach einer Abtrennung der Mikroorganismen durchströmt das Wasser einen mit Sand gefüllten Filter, welcher die letzten Schwebstoffe zurückhält, bevor das Wasser in die letzte Stufe gelangt, wo es in vier mit Sand gefüllte Becken gepumpt wird. Kleinste Rückstände, die bisher noch übrig geblieben sind, bleiben dort hängen, bevor das Wasser in den Vorfluter, die Aach, zurück in den Kreislauf geführt wird. Eine Prozedur, die sich seit den 1950er-Jahren fortlaufend zu dem entwickelt hat, was sie heute ist. Und trotzdem ist sie noch nicht gut genug – denn der Abwasserverband plant einen erneuten Ausbau. «Tatsächlich gibt es Mikroverunreinigungen, die bis anhin nicht zureichend herausgefiltert wurden und Wasserlebewesen in der Aach negativ beeinflussen können», erklärt Amriswiler Stadtpräsident und Abwasserverbandspräsident Gabriel Macedo. Dazu gehören unter anderem Rückstände von Industriechemikalien, Arzneimittel oder Pestizide. Erstaunlich hoch sei heute beispielsweise die Konzentration von Diclofenac, das in Voltaren enthalten ist.

Nötig wird die Verbesserung des bisherigen Reinigungsverfahrens aber nicht nur in der Kläranlage Moos; betroffen sind rund 100 Abwasserverbände im ganzen Land. 

Genauer sind es jene Anlagen, die ein grosses Einzugsgebiet abdecken, über zehn Prozent des Wassers ihres Vorfluters generieren oder sich in Seenähe befinden und eine gewisse Grösse aufweisen. In die Pflicht genommen werden sie, weil der Bund das Gewässerschutzgesetz angepasst hat und die Abwasserverbände fortan beauftragt, genannte Mikroverunreinigungen zu beseitigen. Wie das passiert, ist den Verbänden selbst überlassen, denn die Wissenschaft liefert einige Methoden. Der Abwasserverband Aachtal liess in seinem Fall die geeignetste Lösung vom St. Galler Ingenieurbüro Kuster + Hager eruieren. Dabei hat man primär zwischen zwei Methoden abgewogen: zwischen dem oxidativen Verfahren mit Ozon und dem adsorptiven mit granulierter Aktivkohle (GAK), die beide jeweils über 80 Prozent der Mikroverunreinigungen beseitigen sollen. «Für letzteres Verfahren haben wir uns schliesslich aufgrund der bestehenden Infrastruktur entschieden», erklärt Umwelt-Ingenieur und Projektleiter Simon Bitterwolf. Denn in der Kläranlage Moos kann die bestehende Sandfiltration verhältnismässig einfach zur vierten Reinigungsstufe nachgerüstet werden. Das ist mit einem der vier Filterbecken bereits vor einem Jahr geschehen – als Testlauf, der definitiv geglückt ist und die gewünschten Ergebnisse geliefert hat, wie Betriebsleiter Andreas Buchmüller bestätigt.

Höhere Beckenwände sind nötig
Nun sollen auch die restlichen drei der vier Filterbecken etappenweise umgerüstet werden. Hierfür erhöhen die Fachleute die Beckenwände, sodass sie hoch genug sind, um anstelle der bisherigen 1,5-Meter-Sandschicht drei Meter Aktivkohle-Granulat zu fassen. Die Kosten für die Umbauarbeiten sind stark durch den Bund subventioniert. Von den budgetierten rund 2,1 Millionen Franken trägt er ganze 75 Prozent. Für den Abwasserverband, dem elf Gemeinden im Einzugsgebiet angehören, verbleibt etwas mehr als eine halbe Million.

Doch der Umbau der Becken soll sich natürlich vor allem später rechnen – und das wird er gemäss Gabriel Macedo. Denn Kläranlagen, die Mikroverunreinigungen derzeit noch nicht entfernen, zahlen dem Bund seit der Anpassung des Gewässerschutzgesetzes eine jährliche Gebühr pro angeschlossenen Einwohner. Beim Abwasserverband Aachtal beträgt diese in der Summe etwa 200'000 Franken. Weil das Aktivkohle-Granulat, durch dessen raue Oberfläche das Wasser gefiltert wird, bis zu vier Jahre verwendet und anschliessend wieder aufbereitet werden kann, belaufen sich die entstehenden Betriebskosten auf jährlich nur 90'000 Franken. Der Umbau soll bereits im kommenden August beendet sein, die Inbetriebnahme folgt lückenlos. (seh)